Solarstrom für Wohnhaus, Trocknung und BHKW-Eigenbedarf in einem Ackerbaubetrieb

Ackerbaubetrieb mit Biogasanlage im Landkreis Rotenburg (Wümme), Anlage geplant und gebaut von der INOL GmbH

96,9 kWp

Photovoltaik

60,6 %

Eigenverbrauchsquote 2025

12 %

weniger Energiekosten netto, alle Zählpunkte

Wie sich eine Photovoltaikanlage in einen gewachsenen Betrieb mit zwei Gesellschaften, Satelliten-BHKW und Wohnhaus einfügt.

Malte Wachtmann, Geschäftsführer der INOL GmbH

von Malte Wachtmann
Veröffentlicht am 28. September 2026

Wie viel Solarstrom der Ackerbaubetrieb 2025 selbst genutzt hat

Die 96,9-kWp-Photovoltaikanlage des Ackerbaubetriebs im Landkreis Rotenburg (Wümme) hat 2025 laut Monitoring 98.894 kWh erzeugt und 60,6 % davon im Betrieb selbst verbraucht. Die Prognose von 2023 lag bei 31,9 %. Wohnhaus, Holztrocknung und BHKW-Eigenbedarf nutzen den Solarstrom an einem gemeinsamen Zähler. Für Ihren Betrieb zeigt das Projekt, warum die Aufnahme von Zählern und Verträgen vor der Anlagenplanung steht.

Zweispaltige Gegenüberstellung unter dem Titel „Was sich am Standort geändert hat“, mit dunkelblauem Kopfbalken „Vorher“ links und grünem Kopfbalken „Nachher“ rechts auf hellgrüner Fläche. Fünf Zeilen vergleichen Photovoltaik, Wohnhaus, BHKW-Abwärme, Batteriespeicher sowie Zähler und Verträge. Links stehen fehlende Anlage, separate Leitung, unabhängig laufende Trocknung, offene Speicherfrage und historisch gewachsene Zählerstruktur, rechts 96,9 kWp auf zwei Dächern, gemeinsamer Zähler, Holztrocknung, Umsetzung ohne Speicher und gebündelte Ausschreibung.

1. Die Herausforderung

Am Standort liefen Energiequellen und Verbraucher schon lange vor der Planung der Photovoltaikanlage. Ein Satelliten-BHKW, eine Holztrocknung, ein Wohnhaus und eine räumlich getrennte Biogasanlage gehörten zu zwei Gesellschaften mit eigenen Zählpunkten, Verträgen und Laufzeiten.

Das Blockheizkraftwerk (BHKW) des Hofs steht als sogenanntes Satelliten-BHKW getrennt von der Biogasanlage und bezieht sein Gas über eine Leitung von dort. Aus dem Gas erzeugt es Strom und Wärme in einem Schritt. Die Biogasanlage wird mit Gülle aus der eigenen Landwirtschaft betrieben.

Schrägluftbild eines Hofs am Waldrand mit Wohnhaus, älteren Nebengebäuden, einer großen Halle mit Photovoltaikmodulen auf rotem Dach, Maschinen und einem Acker im Vordergrund.
Wohnhaus, Nebengebäude, Satelliten-BHKW und die Halle mit der PV-Anlage auf dem Hof des Ackerbaubetriebs. Foto: INOL GmbH

Bei der Bestandsaufnahme zeigte sich, dass Gesellschaften, Zähler und Verträge nie gemeinsam betrachtet worden waren.

  • Die Gesellschafts- und Betreiberstruktur war nicht zentral dokumentiert. Offen war, welche Gesellschaft welchen Standortteil betreibt und wie die Bilanzkreise von Biogasanlage und Satelliten-BHKW getrennt sind.
  • Die Zählerlandschaft war über Jahre gewachsen. Welcher Zähler zu welchem Gebäude und Verbraucher gehört, stand nirgends eindeutig fest.
  • Mehrere Energieverträge über die verschiedenen Zählpunkte waren ausgelaufen oder nie fest geschlossen worden.
  • Das Wohnhaus lief über eine eigene, getrennte Leitung, obwohl die geplante PV-Anlage in unmittelbarer Nähe Überschuss erzeugen würde.

Holztrocknung und BHKW liefen weitgehend unabhängig voneinander, obwohl die Abwärme des BHKW für die Trocknung nutzbar war. Eine isolierte Planung der PV-Anlage war unter diesen Voraussetzungen nicht sinnvoll.

2. Das Ziel

Die PV-Anlage sollte in die vorhandene Zähler- und Verbraucherstruktur passen, statt sie zu ergänzen. Zugleich sollte die Planung drei Fragen beantworten:

  • Welche Verbraucher können den Solarstrom direkt nutzen?
  • Lässt sich die Abwärme des BHKW einsetzen?
  • Rechtfertigt der Eigenverbrauch einen Batteriespeicher?

Neben der Technik stand die Beschaffung. Die Energieverträge aller Zählpunkte sollten gebündelt und neu ausgeschrieben werden.

3. Unsere Planung

Die INOL GmbH hat den Standort in fünf Schritten aufgenommen und geplant.

  1. Gesellschafts- und Betreiberstruktur. Die INOL GmbH hat erhoben, welche Gesellschaft Biogaserzeugung, Satelliten-BHKW, PV-Anlage und Wohnhaus betreibt.
  2. Zähler und Lastgang. Ein Übersichtsplan ordnet alle Zählpunkte des Standorts zu. Die Auswertung des BHKW-Lastgangs zeigt die tatsächliche Einspeiseleistung.
  3. Auslegung der PV-Anlage. Die Anlage ist auf die vorhandene Zähler- und Verbraucherstruktur ausgelegt, mit baulicher Reserve für eine spätere Verdopplung.
  4. Bewertung eines Batteriespeichers. Die Empfehlung lautete, die Anlage zunächst ohne Speicher zu betreiben und den Eigenverbrauch zu beobachten.
  5. Energieausschreibung. Alle Zählpunkte beider Gesellschaften wurden gebündelt und neu ausgeschrieben.

4. Das Energiesystem

Photovoltaik

Die PV-Anlage hat eine installierte Nennleistung von 96,9 Kilowatt-Peak (kWp), verteilt auf 255 Module auf Scheune und Güllehalle. Eine Erweiterung auf die doppelte Leistung ist am Standort baulich möglich. Wp steht für Watt Peak, die Leistung eines Moduls unter genormten Testbedingungen. 1.000 Wp ergeben ein Kilowatt-Peak, kurz kWp.

Draufsicht per Drohne auf ein rotes Trapezblechdach mit zwei Reihen von Photovoltaik-Modulfeldern, daneben ein Hof mit blauem Traktor, Landmaschinen und einem grünen Anhänger.
Die Modulfelder der 96,9-kWp-Anlage auf zwei Dachebenen. Foto: INOL GmbH

Wohnhaus

Die separate Leitung des Wohnhauses ist vollständig zurückgebaut. Das Wohnhaus ist jetzt am PV-Überschusszähler an der Scheune angeschlossen, gemeinsam mit Holztrocknung und BHKW-Eigenbedarf. Der Verbrauch des Wohnhauses liegt bei 8.753 Kilowattstunden (kWh) im Jahr, Angabe aus den Projektunterlagen.

Satelliten-BHKW und Abwärme

Das Satelliten-BHKW speist laut Lastgang des Referenzjahrs ganzjährig nahezu konstant mit rund 240 Kilowatt (kW) ins Netz ein. Die Abwärme des BHKW wird für die Holztrocknung genutzt. Die Gasversorgung bleibt unverändert bei der Biogasanlage der zweiten Gesellschaft.

Schrägluftbild einer langen Backsteinhalle mit rotem Trapezblechdach und zwei Reihen Photovoltaikmodulen, davor auf dem Hof ein grüner Anhänger mit Holzhackschnitzeln und angeschlossenen gelben Luftschläuchen.
Die Halle mit der PV-Anlage, vorn ein Anhänger an der Holztrocknung, die mit der Abwärme des BHKW arbeitet. Foto: INOL GmbH

Batteriespeicher

Die INOL GmbH hat zur Inbetriebnahme bewusst keinen Batteriespeicher empfohlen. Der tatsächliche Eigenverbrauch sollte zuerst im Betrieb sichtbar werden.

5. So arbeitet das System

Der Solarstrom fließt zuerst in die Verbraucher am Zähler der Scheune, also Wohnhaus, Holztrocknung und BHKW-Eigenbedarf. Was dort nicht gebraucht wird, geht ins Netz. Reicht der Solarstrom nicht, liefert das Netz den Rest.

Die Eigenverbrauchsquote sagt aus, welcher Anteil des selbst erzeugten Solarstroms am Standort verbraucht wird, statt ins Netz zu gehen. Eigenverbrauch bezeichnet hier die vor Ort genutzte PV-Strommenge innerhalb des betrachteten Messbereichs einschließlich Wohnhaus.

Der Autarkiegrad gibt an, welcher Anteil des Stromverbrauchs am Standort durch selbst erzeugten PV-Strom gedeckt wird, entweder direkt oder zeitversetzt über den Batteriespeicher. Gerechnet wird im beschriebenen Betrieb allein der Verbrauch am PV-Überschusszähler der Scheune. Die separat gemessene Biogasanlage und die Einspeisung des BHKW bleiben dabei unberücksichtigt, einen Batteriespeicher gibt es nicht.

6. Erzeugung und Eigenverbrauch 2025

Im Jahr 2025 hat der Betrieb laut Monitoring 60,6 % seines Solarstroms selbst verbraucht. Die Ertragsprognose mit PV*SOL von 2023 hatte 31,9 % vorhergesagt. Der Messwert liegt damit fast doppelt so hoch.

Der Solarertrag lag 2025 bei 98.894 kWh und damit 2,8 % über der PV*SOL-Prognose von 96.154 kWh. Der spezifische Ertrag lag damit bei 1.020,6 kWh je kWp. Der spezifische Ertrag sagt, wie viele Kilowattstunden eine Anlage im Jahr je Kilowatt-Peak-Nennleistung liefert. Er hängt vom Standort, von der Ausrichtung und von der Verschattung ab.

Laut INOL GmbH geht die fast doppelt so hohe Eigenverbrauchsquote auf den Anschluss von drei Verbrauchern an einen Zähler zurück: Holztrocknung, BHKW-Eigenbedarf und Wohnhaus. Die drei Verbraucher nutzen den Solarstrom direkt, bevor Überschuss ins Netz geht.

Zwei waagerechte gestapelte Balken für das Jahr 2025. Der obere Balken teilt den Solarstrom in 59.953 kWh Eigenverbrauch in Grün und 39.144 kWh Einspeisung in Blaugrau, mit 60,6 % Eigenverbrauchsquote, einer gestrichelten Markierung der Prognose bei 31,9 % und einem Hinweis zu den Messpunkten. Der untere Balken teilt den Verbrauch am Zähler der Scheune in 59.953 kWh Solarstrom und 44.225 kWh Netzbezug, mit 57,5 % Autarkiegrad.
Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad der PV-Anlage im Jahr 2025, dazu die Prognose von 2023. Quelle: Monitoring-Auswertung der PV-Anlage vom 22.09.2026, PV*SOL-Ertragsprognose vom 16.06.2023
KennzahlWertGrundlage
PV-Leistung96,9 kWp, 255 ModulePlanungswert
Solarertrag 202598.894 kWhMesswert, Monitoring 2025
Solarertrag, Prognose96.154 kWhSimulation, PV*SOL-Ertragsprognose vom 16. Juni 2023
Spezifischer Ertrag 20251.020,6 kWh/kWpgerechnet aus Messwert und Anlagenleistung
Eigenverbrauch 202559.953 kWhMesswert, direkt im Monitoring-Portal gemessen
Netzeinspeisung 202539.144 kWhMesswert, Monitoring 2025
Netzbezug 202544.225 kWhMesswert, Monitoring 2025
Eigenverbrauchsquote, Prognose31,9 %Simulation, PV*SOL-Ertragsprognose vom 16. Juni 2023
Eigenverbrauchsquote 202560,6 %Messwert, Monitoring 2025
Autarkiegrad 202557,5 %gerechnet aus den Messwerten, nur Zähler an der Scheune
Verbrauch Wohnhaus8.753 kWh im JahrAngabe aus den Projektunterlagen
Einspeiseleistung BHKWrund 240 kW, ganzjährig nahezu konstantMesswert, BHKW-Lastgang im Referenzjahr
Abwärmenutzung BHKWHolztrocknungAngabe aus den Projektunterlagen

7. Energiebeschaffung über alle Zählpunkte

Die INOL GmbH hat neben der Technik die Energiebeschaffung am Standort geprüft. Über die Zählpunkte liefen unterschiedliche Vertragsnehmer, Versorger und Laufzeiten, von der Scheune über das Satelliten-BHKW und die Biogasanlage bis zu kleineren Nebenverbrauchern. Ein Teil der Verträge war ausgelaufen oder nie fest geschlossen. Neue Zählpunkte waren über die Jahre ohne zentrale Abstimmung dazugekommen.

INOL hat die Energieversorgung aller Zählpunkte analysiert und gebündelt neu ausgeschrieben. Die Ausschreibung ergab 12 % geringere Energiekosten netto über alle Zählpunkte des Standorts gegenüber der bisherigen Beschaffung. Die Ersparnis bezieht sich auf die Gesamtkosten, der Arbeitspreis ist ein Teil davon. Eine koordinierte Ausschreibung betrachtet alle Abnahmestellen gemeinsam und ersetzt die losen Einzelverträge.

8. Eigenverbrauch steigern: Rührwerke und Energiemanagement

Die Rührwerke im Substratbehälter zählen zu den größeren Stromverbrauchern einer Biogasanlage und laufen in vielen Anlagen nach festem Zeitplan. Ein Energiemanagementsystem (EMS) kann geeignete Rührwerkslaufzeiten in Zeiten mit PV-Überschuss verschieben, sofern Prozessführung und elektrische Einbindung das zulassen. Ob dadurch der PV-Eigenverbrauch steigt oder Lastspitzen sinken, hängt vom Messkonzept und der abgestimmten Steuerung der Verbraucher ab. Die Lastspitze ist der höchste Leistungswert, der am Netzanschluss gemessen wird.

Im beschriebenen Betrieb ist diese Einbindung bislang nicht umgesetzt.

9. Nächster Ausbau

Eine Erweiterung der PV-Leistung auf das Doppelte ist am Standort baulich möglich, beauftragt ist sie derzeit nicht. Die Entscheidung über einen Batteriespeicher ist nicht endgültig. Die INOL GmbH bewertet sie anhand der laufenden Eigenverbrauchswerte in den kommenden Jahren neu.

Draufsicht per Drohne auf eine Halle, deren obere Dachhälfte Photovoltaikmodule trägt, während die untere rote Dachfläche frei ist, davor Hof, Anhänger und Wiese.
Ein Teil der Dachfläche trägt noch keine Module.
Eine Erweiterung auf die doppelte Leistung ist am Standort baulich möglich.
Foto: INOL GmbH

Die Energieausschreibung umfasste die zum Stichtag aktiven und offenen Zählpunkte. Weitere Zählpunkte lassen sich nachträglich einbeziehen.

10. Übertragbarkeit

Das Projekt zeigt, wie Anlagenplanung und Energiebeschaffung zusammenwirken. Die INOL GmbH hat zuerst Gesellschafts- und Betreiberstruktur, Zählerlandschaft und Vertragslage aufgenommen und die PV-Anlage danach in die bestehende Struktur eingepasst. Die Eigenverbrauchsquote liegt mit 60,6 % fast doppelt so hoch wie prognostiziert, und die gebündelte Ausschreibung senkte die Energiekosten aller Zählpunkte um 12 % netto.

Für Ihren Betrieb ist dieser Ansatz einen Blick wert, wenn mehrere Gesellschaften, Gebäude und eine historisch gewachsene Zählerstruktur zusammenkommen. Welche Eigenverbrauchsquote dort erreichbar ist, hängt von den eigenen Verbrauchern und deren Laufzeiten ab.

Schrägluftbild einer Halle mit rotem Trapezblechdach und zwei Reihen Photovoltaikmodulen, daneben ältere Nebengebäude, Landmaschinen, ein grüner Anhänger mit Luftschläuchen und Wald im Hintergrund.

Weitere Angaben zur Anlage finden Sie in der Referenz zur 97-kWp-Photovoltaikanlage in Rotenburg (Wümme).

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Telefon 05193 8690037 · E-Mail info@inol-energie.de · Kontaktformular
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Malte Wachtmann, Geschäftsführer der INOL GmbH

Malte Wachtmann

Geschäftsführer, Photovoltaik und moderne Energiekonzepte bei der INOL GmbH

Malte Wachtmann ist Geschäftsführer der INOL GmbH und Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt erneuerbare Energien. Er verantwortet Photovoltaik, Batteriespeicher, Wallbox und Energie­management für Privat- und Gewerbekunden im Raum Hamburg, Bremen und Hannover sowie in der Lüneburger Heide.

Mehr über Malte Wachtmann

Quellen

Alle Angaben stützen sich auf die folgenden Quellen, letzte Prüfung 25. September 2026.

  1. INOL GmbH. Monitoring-Auswertung der PV-Anlage, Jahreswerte 2025. Stand 22. September 2026.
  2. INOL GmbH. PVSOL-Ertragsprognose der PV-Anlage. Stand 16. Juni 2023.
  3. INOL GmbH. Lastgang-Daten des Satelliten-BHKW, Referenzjahr. Projektunterlage.
  4. INOL GmbH. Zähler-Übersichtsplan des Standorts. Projektunterlage.
  5. INOL GmbH. Ergebnisse der Energieausschreibung für alle Zählpunkte des Standorts. Projektunterlage.